Eine faszinierende Partnerschaft: „Opera goes University und University goes Opera“
Saturday, January 09, 2010
Der beratende Dramaturg des Musiktheaters im Revier, „Planet Willaschek“, hat noch ein zweites Ich. Er lehrt an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg am Department Medientechnik in den Fächern Medientechnik und Media Systems Künstlerische Gestaltung. In Wirklichkeit lässt es sich klar sagen: Ich darf mitten unter jungen angehenden Technikern für Events, Film, Medien und Computergestaltung Dramaturgie „anwenden“. In den ersten Geburtswehen der wunderbaren Herausforderung, eine Internetoper als Internetoper zu realisieren (Was ist das? Lasst es uns machen, dann werden alle es sehen und hören!), wurde die Idee geboren, Studierende, die kaum Berührung zur Oper, aber viel Begeisterung für und Ahnung von Filmtechnik und Neuen Medien haben, in dieses Projekt „einzubauen“. Im Juni 2009 entstand der Trailer zu „Affäre Manon“, den man jetzt auch auf „Internetoper.de“ sehen kann. Eine Woche lang eroberten sich zwölf Studierende das Terrain Oper und ließen mit Mitgliedern des Musiktheaters drei User dafür sorgen, dass die zauberhafte Manon aus dem Opernhaus flieht, auf dem Weg von der Bühne ins Internet. Und in „La Cage aux folles“ und Mozarts „Entführung aus dem Serail“ entdeckten die Studierenden am MiR die Vitalität = Virtualität der Bühnenauthentizität: unvermutete spontane Liebe zur Oper. Daraus entstand ein Nebenprodukt als neue Hauptader. Unter Leitung von Prof. Thomas Görne von der HAW fuhren und fahren Studierende des Departments Medientechnik regelmäßig von der Elbe an die Ruhr, um Orchester und Stimmen zu Puccinis und Henzes Manon-Opern aufzunehmen und gleichzeitig den Dirigenten ins Bild zu bannen: Audio Design feinster Sorte! Und wieder lernen sich Kunstenthusiasten unterschiedlichster Prägung – jünger und älter, zugleich Profis, Enthusiasten und Neulinge in Sachen Oper – in der Arbeit kennen. Vorläufiger Höhepunkt des Erfahrungsaustausches in Sachen Internet und Oper waren im Dezember 2010 die Dreharbeiten zu einer Pilotfolge (an der Hochschule „Intro“ genannt, in der Internetoper „Episode 1“). Dies geschah im Studio Hamburg in Hamburg-Wandsbek, wo insgesamt mehr als fünfzig mitwirkende Studierende die einmalige Chance zur Verwirklichung einer Großproduktion mit moderner Fernseh- und Filmtechnik erhalten. Von der Regie über die Produktionsleitung bis zur Kameraarbeit und dem Bildschnitt im Ü-Wagen, nicht zu vergessen bis zum Catering, machen die Studierenden unter professioneller Anleitung alles selbst. Dabei erfanden sie für die Internetoper im Stil einer „Ouvertüre“ eine Episode 1 mit dem Beginn von Puccinis „Manon Lescaut“, folgerichtig dem vorhandenen Audiodesign von MiR und HAW entnommen. Als seien Manon und ihr Lover Des Grieux in die Welt von „Matrix“ geraten, stoßen beide via „Anrempelung“ im Menschengewirr erstmals aufeinander. Ein zweiter Teil schloss sich in Studio HH an. Unter dem Titel „Begegnung“ erleben die Manon-Figuren im Heute den faszinierendsten Übergang, den das Phänomen „Internetoper“ bieten kann. Wo die Sprache aufhört, beginnt die Magie der Musik als Sprache aus einem anderen Kosmos: Folgen-Arbeit. Und schon ist man im großen „Netz der zwischenmenschlichen Beziehungen“. Heißt doch Internet, oder? Wie gut, dass meine zwei Ichs da beides aufhaben können, einen Hut und eine Mütze – Opern- und Hochschul-„Mann“… Ich behalte mir vor, ab und an zu entscheiden, was zu wem gehört: Oper und Hochschule, Praxis und Theorie, eben Oper und Internet.